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26. März 2026

Fremdmechanisierung als Schlüssel: Hans-Hohenester-Preis geht an Katharina Demmel

Bei der Schulschlussfeier der Öko-Fachschule Weilheim im Klostergasthof Andechs hat die LVÖ Bayern ein herausragendes Meisterarbeitsprojekt mit dem Hans-Hohenester-Preis ausgezeichnet. Die Schule bie…
Auf dem Bild: (v.l.n.r.): Dr. Michael Schwertl (Schulleiter Ökofachschule Weilheim, Bereichsleiter Landwirtschaft am AELF WM), Anna Ellenrieder (Jury Hans-Hohenester-Preis, Laudatorin), Teresa Lukaschik (LVÖ Bayern, Referentin für Bildung), Anna-Lena Dworschak (Bayerische Bio-Königin) Katharina Demmel (Preisträgerin), Josef Bauer (stv. Vorsitzender LVÖ Bayern), Dr. Stefan Gabler (AELF WM Behördenleiter); Bild: AELF Weilheim/ Alexandra Rauch

Bei der Schulschlussfeier der Öko-Fachschule Weilheim im Klostergasthof Andechs hat die LVÖ Bayern ein herausragendes Meisterarbeitsprojekt mit dem Hans-Hohenester-Preis ausgezeichnet. Die Schule bietet die ideale Vorbereitung auf die Prüfung zum „Landwirtschaftsmeister“ speziell für Bio-Betriebe.

Ein Teil der Prüfung ist das Meisterarbeitsprojekt. Dabei erstellen die Meisteranwärterinnen und Meisteranwärter zu einem selbst gewählten Sachverhalt eine eigenständige Untersuchung auf dem Betrieb. So wenden die Bio-Landwirtinnen und -Landwirte von morgen ihr an der Öko-Fachschule erlerntes Wissen direkt an und erarbeiten entsprechende betriebsindividuelle Lösungen. Für den Ökolandbau als wissensintensives System sind diese Fähigkeiten von besonderer Bedeutung: Einen Bio-Hof erfolgreich zu führen setzt den genauen und kompetenten Blick auf den Betrieb als Ganzes, die Tiere und den Boden voraus.

Thomas Lang, erster Vorsitzender der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern e.V. (LVÖ): „Die bayerischen Öko-Fachschulen in Landshut-Schönbrunn und Weilheim vermitteln ihren Studierenden genau das Handwerkszeug zur Betriebsentwicklung, das sie brauchen, um ökologisch und wirtschaftlich erfolgreich zu wirtschaften. Wir sind stolz auf die neuen Meister und Meisterinnen für den ökologischen Landbau. Mit ihren Meisterarbeitsprojekten zeigen sie, was es heißt, Betriebe fit für die Zukunft zu machen.“

Eigenmechanisierung versus Fremdmechanisierung

In Weilheim ging der Hans-Hohenester-Preis an Katharina Demmel vom Milchviehbetrieb Demmel (Bioland) in Rottenbuch im Landkreis Weilheim-Schongau. In ihrem Meisterarbeitsprojekt untersucht sie das Ernten und Einholen des Grasschnitts und damit die Zeit der Arbeitsspitze im Betrieb. Der Titel der Arbeit lautet: „Effekte verschiedener Ernteverfahren auf Wirtschaftlichkeit, Arbeitswirtschaft und Futterqualität – Vergleich von Eigenmechanisierung mit Ladewagen, Fremdmechanisierung mit Ladewagen und Häckslerkette durch Lohnunternehmer“.

Im Zentrum des Meisterarbeitsprojekts stehen Auslastung und Arbeitskapazität aller Familienarbeitskräfte. Denn der Betrieb hat nur dann eine Zukunft, wenn die Arbeit nicht auf Kosten der psychischen und physischen Gesundheit der Familie geht. Die drei im Titel genannten Varianten werden auf homogenen Parzellen höchst differenziert untersucht. Das eindeutige Ergebnis zeigt, dass der Wechsel von Eigen- zu Fremdmechanisierung für die Aspekte Arbeitszeit und auch Wirtschaftlichkeit sinnvoll ist. Von der hohen Effizienz bei der Ernte und damit der raschen Verdichtung profitiert auch die Qualität des Futters. Das gehäckselte und auch das tiefer geschnittene Grüngut stellen hochwertiges Futter dar, wie die Beurteilung der Futterreste im Stall sowie Laboruntersuchungen zeigen.

Katharina Demmel: „Durch mein Meisterarbeitsprojekt konnte ich die Futterbergung auf unserem Betrieb für die Zukunft optimieren. Der Schritt zur Fremdmechanisierung ist für mich der Schlüssel zum Fortbestand unseres Familienbetriebs. Denn Bio bedeutet für mich, nicht nur für den Moment zu wirtschaften, sondern auch für die nächsten Generationen.“ Die Weiterbildung auf der Öko-Fachschule empfindet sie als sehr wertvoll: „Den Betrieb zu übernehmen ist eine große Verantwortung. Der Unterricht und vor allem auch der Austausch mit meinen MitschülerInnen hat mir sehr geholfen, in die Rolle als Betriebsleiterin gut reinzuwachsen.“

Anna Ellenrieder, Mitglied der Jury des Hans-Hohenester-Preis, sagte in ihrer Laudatio: „Ökologischer Landbau bedeutet Nachhaltigkeit auch in der sozialen Dimension: Wenn Betriebe langfristig gut geführt werden sollen, ist die eigene Arbeitskraft das höchste Gut. Katharina Demmel hat dies erkannt und hat den Mut und den unternehmerischen Geist, Veränderungen anzugehen.“, so Anna Ellenrieder.

Der Hans-Hohenester-Preis

Der Hans-Hohenester Preis ist benannt nach dem 2017 verstorbenen Öko-Pionier Hans Hohenester. Er war Bio-Landwirt und langjähriger Präsident des ökologischen Anbauverbands Naturland sowie Vorsitzender der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern e.V. (LVÖ). Er setzte sich besonders für das Thema Bildung im Ökolandbau ein. Mit dem Preis will die LVÖ junge Menschen motivieren, zukunftsweisende Fragestellungen für den Ökolandbau zu bearbeiten und sie auf ihrem beruflichen Weg in den Ökolandbau unterstützen.

Seit 2024 wird der Hans-Hohenester Preis einmal jährlich an je ein herausragendes Meisterarbeitsprojekt an den beiden bayerischen Öko-Fachschulen in Landshut-Schönbrunn und Weilheim verliehen. Der Preis ist mit jeweils 1000 Euro dotiert.